Das Seiende – ein Liebender
 der seelischen, körperlichen
und äußeren Angelegenheiten

Deutungen2

Deutung

#1
Die Gnome legt nahe, dass ein Mensch dann „Seiender“ ist, wenn er ein Liebender ist – jemand, der sich innerlich zuwendet, körperlich anwesend ist und auch die äußeren Umstände ernst nimmt. Im Licht der heutigen Lebensverhältnisse wirkt das fast wie ein stiller Gegenentwurf zu einem Alltag, der von Terminen, Schichten und Rechnungen bestimmt ist. Eine alleinerziehende Mutter, die nach acht Stunden an der Kasse noch Hausaufgaben betreut und abends die Waschmaschine füllt, ist in diesem Sinn eine Liebende: Sie hält seelisch, körperlich und organisatorisch alles zusammen. Die Gnome gibt dieser oft unsichtbaren Fürsorge ein stilles Gewicht. Gleichzeitig bleibt sie idealistisch, weil sie so tut, als wäre „Liebender sein“ vor allem eine innere Haltung. Wer zwei Jobs braucht, um die Miete zu zahlen, kann seine seelischen Angelegenheiten kaum pflegen, geschweige denn die der anderen. Der Pfleger im Nachtdienst, der im Minutentakt Patienten versorgt, hat vielleicht viel Mitgefühl, aber kaum Zeit, es zu zeigen. Hier stößt die Gnome an ihre Grenze: Sie sagt nichts darüber, wie wenig Raum vielen Menschen bleibt, um diese Art von Liebe zu leben. Trost kann sie dennoch spenden, weil sie daran erinnert, dass Würde nicht nur im Erfolg liegt, sondern im Bemühen, bei sich selbst und den anderen zu bleiben – auch mitten im Gedränge eines übervollen Tages.

Deutung

#2
**Herzdeutung** Wir sind in unserem Wesen Liebende. Du kannst deine Seele, deinen Körper und deine Umgebung mit derselben Güte anschauen. Wenn du etwas berührst, denk daran: Es will mit Liebe berührt werden. So werden Sorgen leichter, der Körper weicher und die Welt um dich stiller. Wir sind hier, um zu lieben, nicht nur um zu funktionieren. **Alltagsbrücke** Du wachst morgens auf, die Wohnung ist noch halb dunkel. Du fühlst kurz nach innen: Wie geht es meinem Herzen heute? Dann spürst du deinen Körper beim Aufstehen, die Füße auf dem Boden, den Atem in der Brust. Du räumst ein Glas weg, ziehst den Vorhang auf, lässt Licht herein – in den Raum und in deinen Tag. In all dem gewöhnlichen Tun merkst du: Wenn du es liebevoll tust, wird dein ganzes Leben wärmer. **Musenmoment** Ein Herz, das schaut, wohin es greift, ein Leib, der still die Wärme reift. Die Welt vor dir, von Nähe hell: Du liebst sie – leise, überall.