Trage mit Vortrefflichkeit die Seele im Körper

Deutungen2

Deutung

#1
Die Zeile lädt dazu ein, das Innere nicht zu verlieren, während der Tag mit seinen Terminen zieht. „Vortrefflichkeit“ klingt groß, meint hier eher Sorgfalt: die Seele nicht irgendwo ablegen, sondern sie im eigenen Körper gut halten. Das ist kein Edelglanz, sondern Haltung im Kleinen – Atem finden, einen Rhythmus, ein Maß, das nicht ganz von außen bestimmt ist. Man sieht das auf einer Station der Spätschicht: zu wenig Leute, zu viele Aufgaben, dauerndes Piepen. Eine Pflegerin zählt zwischen den Alarmen drei ruhige Atemzüge und legt einer verängstigten Person die Hand auf die Schulter. Oder der Kurier im Regen: die App drängt, die Kreuzung lärmt. Er wartet dennoch bei Rot, schüttelt die Hände aus, sagt an der Tür einen freundlichen Satz. Solche winzigen Entscheidungen tragen die Seele mit – nicht als Zierde, sondern als Schutz. Gleichzeitig hat die Gnome einen blinden Fleck. Sie legt die Last auf das Individuum und übersieht, dass Körper ohne Pause, fairen Lohn und sichere Takte schnell leer werden. Wer Zeitpuffer und ruhige Büros hat, kann ihr leichter folgen als jemand mit Schichtplan, den andere schreiben. Tröstlich bleibt sie, wenn man sie leise liest: Bewahre, was dich ausmacht. Nicht heroisch, sondern beharrlich – trinken, kurz sitzen, um Hilfe bitten, einmal Nein sagen. Damit der Körper die Seele nicht verschluckt und der Tag den Menschen nicht ganz verbraucht.

Deutung

#2
Herzdeutung: Deine Seele lebt in deinem Körper. Trage sie gut, so gut du kannst. Sei sorgfältig und gütig in Schritt, Blick und Wort. So wird dein Körper ein freundliches Haus. Und du fühlst dich ganz. Alltagsbrücke: Du trägst eine Tasse heißen Tee durch den Flur. Du gehst langsam, atmest ruhig, hältst die Tasse gerade, damit nichts schwappt. So trägst du heute deine Seele in dir. Musenmoment: Langsam der Schritt, hell der Atem. Im Körper ein stilles Licht. Ich trage, und es trägt mich.