Wie eine bittere Misshandlung, dass eine in Krankheit endende Leben

Deutungen2

Deutung

#1
Die Zeile klingt wie ein leiser Vorwurf: Am Ende steht nicht Ruhe, sondern Krankheit – wie eine Misshandlung. Im Alltag steckt darin die Erfahrung, dass viele Körper nicht einfach altern, sondern über Jahre aufgebraucht werden: Schichtarbeit, zu wenig Pausen, Sorgearbeit neben dem Job. Wer wenig hat, wird früher krank; wer Geld und Zeit hat, kann sich erholen, vorsorgen, bekommt schnellere Hilfe. Man sieht es in der Pflegehelferin, die seit zwanzig Jahren hebt und wendet, den Rücken kaputt, und trotzdem einspringt, weil sonst niemand da ist. Oder im älteren Kassierer, der Tabletten nimmt, um die Schicht zu schaffen, Urlaub aufschiebt und den Zahnarzt meidet. Für sie fühlt sich Krankheit nicht wie Zufall an, sondern wie etwas, das sich langsam von außen in den Körper schreibt. Die Metapher hat Grenzen. Sie macht Krankheit leicht nur zur Gewalt von außen und übersieht, dass viele trotz Diagnose leben, lieben, lachen – getragen von Freundschaft, Pflege, guter Medizin. Sie sagt auch nicht, was sich ändern ließe. Tröstlich bleibt: Sie gibt Worten, was sonst verschwiegen wird, und erinnert daran, dass niemand gebrochen werden sollte. Wo Anteilnahme und ein menschliches Tempo gelten, mildert sich die Bitterkeit.

Deutung

#2
Herzdeutung: - Manchmal fühlt sich das Leben an, als würde es uns hart anfassen. - Krankheit macht alles eng und bitter. - Wir dürfen sagen: Es tut weh. - Und wir dürfen weich mit uns sein, Schritt für Schritt. - In kleinen Gesten kommt die Würde zurück. Alltagsbrücke: - Auf dem Fensterbrett steht eine Pflanze mit braunen Rändern. Du gibst ihr einen Schluck Wasser, drehst sie zum Licht, wischst den Staub ab. Sie wird nicht sofort heil, aber sie richtet sich ein Stückchen auf. So kannst du heute auch mit dir sein: langsam, warm, nah. Musenmoment: - Bitter ist der Becher, - warm wird die Hand. - Ein Licht rückt näher — - der Atem kehrt heim.