Meine Freunde: durch Abwesenheit des Freundes altert die Seele

Deutungen2

Deutung

#1
Die Zeile legt nahe: Wo ein Freund fehlt, wird das Innere spröde. In heutigen Lebenslagen wird diese Sprödigkeit oft gemacht: Schichtpläne, Pendelzeiten und zwei Jobs fressen Stunden, Wege trennen Nachbarschaften. Einsamkeit ist dann weniger Stimmung als Verschleiß durch dauerndes Alleinstemmen. Wer mehr Geld hat, kann Zeit kaufen – Betreuung, ein Taxi, ein ruhiges Wochenende –, und hält Beziehungen leichter lebendig. Man sieht die Alleinerziehende an der Supermarktkasse, nach 21 Uhr, das Handy stumm im Spind. Der Bus nach Hause ist spät; die Freundin arbeitet früh, die Kinder schlafen längst. Oder den alten Mann im zehnten Stock, der auf den Mittwoch wartet, wenn sonst jemand zum Karten kommt. Diesmal bleibt der Stuhl leer: die Knie, die Treppe, der Fahrstuhl wieder kaputt. Die Gnome klingt privat und zeitlos. Sie übersieht, wie sehr Abwesenheit gemacht wird: durch Dienstpläne, Mieten, Wege, Aufenthaltsfragen. Und sie legt nahe, Freundschaft sei Heilung genug; oft fehlen zuerst Schlaf, Geld und Luft zum Atmen. Tröstlich bleibt: Nähe lässt sich klein üben. Ein fester Anruf, eine Bank im Hof, zehn Minuten vor der Schicht. Solche Inseln halten etwas jung, bis mehr möglich ist.

Deutung

#2
Herzdeutung: Wir leben von Freundschaft. Wenn ein Freund fehlt, wird unser Inneres müde, wie ein Abend ohne Licht. Nähe hält uns jung; sie weckt Mut und Freude. Darum halten wir Kontakt, auch wenn Wege fern sind. Ein kleines Zeichen reicht. Alltagsbrücke: In der Wohnung steht die Topfpflanze am Fenster. Ohne Wasser lässt sie den Kopf hängen. Ein Schluck, und sie richtet sich wieder auf. So ist es mit uns: eine Nachricht, ein kurzer Besuch, ein gemeinsamer Gang um den Block – und die Seele atmet neu. Musenmoment: Ein leerer Stuhl am Tisch – ich rufe deinen Namen leise. Ein Klang geht durch den Tag, und etwas in mir wird wieder grün.